Leidenschaft und Ausgewogenheit

In unserem Interview erzählt uns Jay Freeland, CEO bei Faro, über seine Zukunftspläne, gewährt uns Einblicke und erklärt, was Erfolg in seinen Augen bedeutet. Er wurde von Ernst & Young zum Entrepreneur Of The Year 2008 in der Kategorie Technologie im Bundesstaat Florida gewählt und befindet sich nun im Rennen für dieselbe Auszeichnung auf landesweiter Ebene.

Jay Freeland

In der letzten Ausgabe der Faro News führten wir ein Interview mit Ping Fu von Geomatic. Sie ist ein Beispiel für einen CEO mit umfangreicher Erfahrung im Technikbereich. Sie kommen ursprünglich aus dem Finanzbereich. Inwiefern spielt Ihr Wissen und Ihre Erfahrung aus dieser Zeit bei dem beachtlichen Wachstum, das das Unternehmen in der jüngsten Vergangenheit verzeichnen konnte, eine Rolle?
Es ist schon so lange her, dass ich im Finanzbereich tätig war, dass es bei der allgemeinen Wachstumssteigerung des Unternehmens nur eine untergeordnete Rolle spielt. Die letzten zehn Jahre habe ich damit verbracht, Unternehmen zu leiten und sie wachsen zu lassen, indem ich den Schwerpunkt auf Strategie, Technologie und Ausführung gesetzt habe. Und jetzt verwende ich etwa 30 bis 40 Prozent meiner Zeit darauf, die auf dem Markt verfügbaren Technologien zu analysieren und unsere eigenen technologischen Fortschritte zu beobachten. Und diese Beobachtungen sind für die Gestaltung unserer Wachstums- und Erweiterungsstrategien maßgeblich.

Sie wurden von Ernst & Young 2008 zum Entrepreneur Of The Year im Bundesstaat Florida in der Kategorie Technologie gewählt und befinden sich nun im Rennen für diese Auszeichnung auf landesweiter Ebene. Ein CEO ist immer nur so gut wie seine Mitarbeiter. Was ist das besondere an den Mitarbeitern von FARO?
In erster Linie ist es die Leidenschaft. Eine meiner wichtigsten Lebensphilosophien lautet „Lebe leidenschaftlich“. Ich rede häufig mit Mitarbeitern aus dem gesamten Unternehmen darüber, und es gibt keinen Zweifel daran, dass die Mitarbeiter von FARO mit viel Leidenschaft an ihre Arbeit herangehen und sich sehr leidenschaftlich für die Zukunft des Unternehmens und die Aufgaben einsetzen. Sie haben eine unglaubliche Motivation, unsere Kunden zufriedenzustellen, und dafür setzen sie ihr gesamtes technisches Wissen, ihr erstklassiges Know-how im Bereich Verfahrensweise und selbstverständlich auch ihre Leidenschaft ein.

Sie haben Ihre weltweite Mitarbeiterzahl verdoppelt und verzeichnen weiterhin ein zweistelliges Umsatzwachstum. Gibt es einen Boom der ganzen Branche, oder macht FARO etwas ganz Besonderes?
Es ist eine Mischung aus beidem. Es steht außer Frage, dass der Markt noch immer enorme Möglichkeiten bietet, die noch weitgehend unerschlossen sind. Der Markt wird auch weiter wachsen, da wir auch weiterhin neue vertikale Branchen entdecken und erschließen werden, in denen potenzielle Kunden angesiedelt sind, und da wir auch nicht nachlassen werden, neue Anwendungsbereiche abzudecken. Als Unternehmen haben wir uns auch darauf konzentriert, die Anzahl unserer Vertriebsmitarbeiter und Anwendungstechniker im Außendienst zu erhöhen, um so für zusätzliches Wachstum zu sorgen und unseren Kunden weiterhin erstklassige Service- und Supportleistungen zu bieten.


Die Inspektion von Gütern noch während des Herstellungsprozesses wird gegenüber einer nachträglichen Qualitätskontrolle der fertigen Produkte immer beliebter. Aber eine Inspektion stellt einen Eingriff in die Produktion dar und verzögert diese. Wie bringt man den Zeitaufwand und Qualitätstoleranzen in ein ausgewogenes Verhältnis?

Um die Toleranz müssen wir uns dank der Qualität unserer Produkte keine Sorgen machen. Wir sind in der Lage, bis auf 5 µm genau zu messen. Und wir führen diese Messungen direkt bei der Herstellung mit einfacher und anwenderfreundlicher Hardware und Software durch. Diese ausgewogene Verbindung aus Einfachheit und hoher Präzision macht unsere Produkte extrem schnell – in jedem Fall schneller als herkömmliche Messverfahren. Wir entwickeln auch neue Lösungen im Bereich kontaktfreie Lasermessung, um noch schneller, präziser und benutzerfreundlicher zu werden.

Vom Hauptsitz von FARO aus ist es nur eine Stunde bis nach Cape Canaveral. Waren Sie schon einmal beim Start eines Spaceshuttles dabei? Was ging in diesem Moment in Ihnen vor? Ist die NASA ein wichtiger Kunde? Wofür werden dort die Produkte von FARO verwendet?
Ich bin 1999 nach Florida umgezogen, und seither war ich bereits bei mehreren Shuttlestarts dabei. Meine Frau ist Technische Direktorin für das Spaceshuttle-Programm, und daher haben wir in den vergangenen neun Jahren wirklich so manchen Start miterlebt. Manchmal waren wir gut 30 km von der Abschussrampe entfernt, aber ab und zu waren wir auch im VIP-Bereich, von dem aus es nicht einmal 5 km bis zur Rampe sind – es ist einfach ein unglaubliches Erlebnis, das können Sie mir glauben. So einen Start beobachten zu können, ist einfach fantastisch, vor allem bei Dunkelheit, wenn der schwarze Himmel plötzlich taghell erleuchtet wird, sobald die Feststoffzusatztriebwerke zünden. Die NASA und viele andere verbundene Unternehmen sind sehr gute Kunden von FARO. Sie nutzen die Produkte in vielen verschiedenen Anwendungsbereichen – nicht nur im Rahmen des Shuttle-Programms, sondern auch für militärische und kommerzielle Zwecke.

Wie sieht bei Ihnen eine typische Arbeitswoche aus?
Jeder Tag beginnt und endet mit einem Handytelefonat im Auto. Zwischen Haustür und Büro liegen 120 km, daher habe ich während der Autofahrt viel Zeit, um mich mit meinem Team kurzzuschließen, insbesondere mit den Kollegen in Europa und Asien, da das aufgrund der Zeitverschiebung dann am besten möglich ist. Ungefähr ein Drittel der Zeit verbringe ich mit Sitzungen, in denen es um Technologie geht, 20 Prozent der Zeit mit Sitzungen, die zum Thema Unternehmen oder Mitarbeiter einberufen wurden, und in weiteren 20 Prozent der Zeit bin ich in Besprechungen, in denen es um den Vertrieb, Marketing und Kundeninitiativen geht. In den restlichen 10 Prozent meiner Wochenarbeitszeit bin ich z.B. damit beschäftigt, mit meinen Führungsteams zu telefonieren, um mich über die neueste Sachlage zu informieren, ich treffe mich mit Investoren und kümmere mich um Angelegenheiten der Geschäftsleitung. Ungefähr 15 bis 20 Prozent meiner Zeit bin ich auf Geschäftsreise, und das ist ein ganz gutes Verhältnis. Als ich noch bei anderen Unternehmen tätig war, gab es Zeiten, da war ich bis zu 60 Prozent der Zeit unterwegs. Allerdings habe ich auch feststellen müssen, dass es meistens ein Zeichen für ein größeres Problem ist, wenn der Unternehmensleiter selbst so viel unterwegs sein muss, um das Unternehmen am Laufen zu halten. Bei FARO haben wir eine außerordentlich starke Führungsmannschaft, die das normale Tagesgeschäft in ihrem jeweiligen Bereich erfolgreich meistert, ohne dass ich jede Woche vorbeischauen muss.
    
Wo sehen Sie FARO in fünf bis zehn Jahren?
In den kommenden fünf bis zehn Jahren wird sich FARO enorm verändern. Unsere Hauptaufgabe wird es nach wie vor sein, dafür zu sorgen, dass die Produkte und Prozesse unserer Kunden weltweit die besten sind, und wir werden auch an unserem Anspruch festhalten, der weltweit führende Anbieter von Mess- und Bildgebungssystemen zu sein. Aber wir werden weitaus größer sein – wir möchten unsere historischen Wachstumsraten von mindestens 20 bis 25 Prozent pro Jahr so lange wie möglich aufrechterhalten. Wir werden einige wichtige Ergänzungen unseres Technologieportfolios haben, von denen sich viele auf berührungsfreie Messverfahren beziehen, sowie eine breite Palette von Software-Anwendungen. Unsere Produkte werden auf vertikalen Märkten verkauft werden, von denen wir heute nur träumen können. Und wir werden FARO und unsere Technologie zu einem weltweiten Standard in der Industrie gemacht haben.


Haben Sie eine persönliche Lieblingsanwendung für FARO-Produkte, oder träumen Sie davon, eines Tages ein bestimmtes Gerät herzustellen?
Wenn ich von Geräten träume, die FARO eines Tages anbieten wird, dann sind sie in jedem Fall immer besser und einfacher zu benutzen. Ich träume von Geräten, die von der breiten Allgemeinheit genutzt werden können. Viele davon sind für kontaktfreie Messungen gedacht, aber längst nicht alle. Sie sind nach wie vor dreidimensional, und sie alle machen unseren Kunden das Leben leichter. Was Lieblingsanwendungen betrifft, so ist es schwer, nur eine Anwendung herauszustellen, denn es gibt so viele, die mich begeistern. Was ich aber wirklich schätze, ist die Vielzahl der Anwendungsmöglichkeiten für unsere Technologie. Ich habe schon alles Mögliche gesehen – von der Ausrichtung von Dübeln und Löchern für vorgefertigte Möbel mit Hilfe von FARO Gage bis zur Ausrichtung von Teilen eines Rumpfes für einen Jumbojets mit Hilfe unseres Laser Tracker. Ich habe nur wenige Zentimeter große Teile gesehen, die mit Hilfe des ScanArms per Reverse-Engineering hergestellt wurden, aber auch ein vollständiges dreidimensionales Modell einer Autofabrik, für das unser Laser Scanner verwendet wurde. Die Instrumente sind so vielseitig und extrem anpassbar.


Was ist Ihr persönliches Motto oder was ist Ihr „Maß des Erfolgs“?
Mein persönliches Motto ist ganz einfach: „Lebe leidenschaftlich, lebe ausgewogen.“ All das, was man jeden Tag tut, mit Leidenschaft zu tun – das ist grundsätzlich die Voraussetzung für Erfolg. Ausgewogen zu sein, ist gleichermaßen wichtig, da man sich nur so eine neutrale Sichtweise erhalten kann. Leidenschaft und Besessenheit sind jedoch vollkommen verschiedene Dinge. Das eine ist produktiv (Leidenschaft), das andere destruktiv (Besessenheit). Im Gleichgewicht zu leben, verhindert das Destruktive. Es hilft einem, den Bezug zur Realität nicht zu verlieren. Es hilft einem, Stärken und Schwächen als das zu erkennen, was sie wirklich sind, und stets angemessen und objektiv zu handeln. Wer nach dieser Philosophie lebt, der kann auch Erfolg haben – ganz egal, wie man Erfolg für sich selbst definiert.

in unserem porträt unterhält sich FARO Europe mit einer Persönlichkeit, die in Wirtschaft, Technologie oder Wissenschaft mit innovativen Ideen von sich reden macht.